2025 – Weinfest im Herbst in Enkirch.
Aus Bilbos Reisebuch
(einige Tintenkleckse am Rand – vermutlich habe ich wieder das Weinglas zu nah ans Tintenfass gestellt)
Und hier ist er nun, mein wohl vorerst letzter Bericht aus dem Menschenland, genauer: aus dem malerischen Enkirch an der Mosel. (Randnotiz: Es wird auch Zeit – meine Füße sind schon ganz plattgetreten, und meine Hosen zwicken gefährlich vom guten Essen.) Zu meiner großen Überraschung haben meine letzten Aufzeichnungen bereits im Auenland die Runde gemacht. Man tuschelte dort über die Musik der Winzerkapelle Enkirch und schwärmte vom Moselwein, als sei er flüssiges Gold. Das lockte natürlich meine neugierigen Verwandten an: Mein Neffe Frodo, seine unerschrockenen Freunde – und, man staune, sogar Gandalf höchstpersönlich. (Randnotiz: Offenbar verbreiten sich meine Berichte schneller als der Klatsch am Tor von Hobbingen.)
Am Sonntagmorgen klopfte es also plötzlich an der Türe meiner kleinen Urlaubs-Waldhütte im abenteuerlichen Ahringstal. Ich saß gerade beim Frühstück – ein bescheidenes Mahl aus Brot, Käse und einem Restchen Wein – da standen sie alle strahlend vor mir. Gandalf tat so, als sei es eine spontane Idee gewesen, aber ich wette, er wusste schon seit Wochen Bescheid. Zauberer! Nach einer kräftigen Brotzeit (Hobbits reisen niemals ohne Futter im Bauch, das weiß doch jeder!) machten wir uns gemeinsam auf den Weg nach Enkirch. Ich führte sie durch die herbstlichen Weinberge, wo wir den köstlichen Wein ausgiebig testeten. (Randnotiz: Meriadoc meinte, man solle nicht „testen“, sondern „trinken“. Ich konnte ihm da nicht widersprechen.) Gut vorbereitet – und leicht beschwingt – zogen wir dann um 13 Uhr zum Brunnenplatz, wo das legendäre „Weinfest im Herbst“ stattfand.
Und dort begrüßte ich wieder meine guten Freunde von der Winzerkapelle Enkirch. Ach, was für ein Wiedersehen! Bei strahlendem Sonnenschein spielten sie zwei Stunden lang, und es war, als ob selbst die Vögel in den Dächern mitzwitscherten. Doch, wie schon beim Hoffest, war wieder etwas anders: Ein kleines Besetzungsproblem im Posaunenregister. Da griff Dirigent Stephan Schütz kurzerhand selbst zur Posaune! (Randnotiz: Das ist wahre Hingabe – im Auenland würde ein Dirigent in so einer Lage eher zum zweiten Frühstück greifen.) Gemeinsam mit den Schlagzeugern gab er die Einsätze, und das klappte vorzüglich. Das Schlagzeug hielt das Tempo, die Musiker lauschten aufmerksam – und Stephan glänzte zudem als launiger Moderator. Seine Scherze brachten das Publikum ebenso zum Lachen wie die Kapelle selbst. Ich habe so sehr gelacht, dass mir fast der Wein verschüttete. (Randnotiz: Betonung auf „fast“ – ein Hobbit verschüttet keinen Wein!)
Darüber hinaus hatte die Winzerkapelle nicht nur neue Freunde aus dem Auenland gewonnen, sondern ihre Musikfreunde aus Kröv und Lösnich, der Ernst, der Franz und der Julian unterstützten beim Auftritt die Sabine, eine wahre Elbenkönigin, auf dem Tenorhorn und ersetzten den urlaubenden Achim an diesem Tag vortrefflich. Vielen Dank!
Meine Hobbitfreunde waren begeistert – Sam sang lauter mit als das Trompetenregister, Merry versuchte gar, den Rhythmus mit den Füßen zu stampfen (was eher klang wie ein nasser Sack Kartoffeln), und Frodo … ja, Frodo staunte so großäugig wie damals, als er zum ersten Mal Elben sah. Gandalf brummelte zwar, dass er Elbenlieder bevorzuge, doch sein Grinsen verriet ihn. Besonders der sogenannte „Polkamarathon“ sorgte für Jubel: „Musikanten mit Herz“, „Wir Musikanten“, „Fuchsgraben Polka“, „Böhmischer Traum“ und „Auf der Vogelwiese“. Meine Freunde sangen lauter als die Trompeten, und bei „Vogelwiese“ schwor ich, dass Merry schon nach einem Stock suchte, um einen imaginären Vogel zu scheuchen. Doch auch andere Musikrichtungen erklangen. Frodo war ganz besonders von „Welcome to the Jungle“ angetan, gespielt mit wilder Energie vom jungen Schlagzeuger Tim „The Beast“ Ruprecht. (Randnotiz: Bei uns im Auenland wäre „The Beast“ vermutlich ein Spitzname für ein besonders verfressenes Pony.) Sein Fanclub war übrigens ebenfalls vor Ort und jubelte, als wäre er der König von Gondor persönlich.
Natürlich brachte die Winzerkapelle auch zwei Solostücke dar – und welch feine Leckerbissen das waren! Der immer noch junge (und verdächtig talentierte) Flügelhornist Sebastian Daun spielte die Ballade „My Dream“ so gefühlvoll, dass mir beinahe das Glas Wein aus der Hand glitt. (Randnotiz: Beinahe – ein Hobbit verliert niemals den Halt, wenn es um Wein geht.) Ich dachte mir: Wenn so junges Volk schon solche Töne hervorzaubert, dann muss wohl tatsächlich Musik im Blut seiner Familie stecken.
Danach traten die beiden Saxofonistinnen Sandra und Susanne hervor – und ach, welch Augen- und Ohrenschmaus das war! Sie boten dem Publikum ihre eigene Version eines alten Menschenliedes, das angeblich von einem gewissen Elvis Presley stammt. (Randnotiz: Ein recht seltsamer Name – klingt eher nach einem Gärtner aus Michelbinge als nach einem berühmten Sänger.) Das Lied hieß „Can’t falling in love“, und ich sage euch: Es war wunderschön. Sowohl die Musik als auch die Musikerinnen. Ich musste mich fast kneifen, um nicht vor lauter Verzückung mein Käsebrot zu vergessen. (Randnotiz: Und das will schon etwas heißen!)
Nach zwei Stunden endete der Auftritt – leider, wie wir alle fanden. Und damit neigte sich auch mein langer Aufenthalt in Enkirch dem Ende zu. Ach, was soll ich sagen? Musik, Wein, Essen, Landschaft – alles beinahe so schön wie das Auenland. Beinahe. Ich habe in der Winzerkapelle Enkirch neue Freunde gefunden. Vielleicht, so hoffe ich, kommen sie eines Tages ins Auenland und spielen auf einem unserer Feste. (Randnotiz: Ich sollte den Grünen Drachen rechtzeitig warnen, damit genug Bier und Pasteten vorrätig sind.) Ach ja – beinahe hätte ich es vergessen: Irgendwo in Enkirch habe ich meinen seltsamen goldenen Ring verloren. Ich würde zu gern wissen, was an diesem Ding eigentlich so besonders ist … Aber ganz ehrlich: Ohne ihn fühle ich mich leichter. Und leichter reist es sich immer besser!
(letzte krakelige Notiz, offensichtlich nach einem Glas zu viel:) „Merke: Der Wein der Menschen macht einen fröhlich, aber auch redselig. Hoffentlich habe ich nicht zu viel erzählt …“)






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